Chronologie der Windkraftnutzung auf den Baumbergen

Ein Sprichwort sagt: „Es ist besser, ein Licht zu entzünden, als sich über die Dunkelheit zu beschweren.“ Eine Realisierung dieser Aussage ist hier versucht worden.

10. Februar 1992
Die Initiatoren des Projekts, Realschullehrer Paul Lülf-Niehoff und Hochschullehrer Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein aus Havixbeck, installieren auf dem Longinusturm, der auf der höchsten Erhebung der Baumberge steht (187 m über NN), eine Windmessanlage. Der Vergleich mit den Ergebnissen zweier in Havixbeck paral-lel laufender Messanlagen eröffnet bereits nach wenigen Monaten ermutigende Perspektiven für die Nutzung der Windkraft am hiesigen Standort

3. Oktober 1992
Die erste Windkraftanlage vom Typ ENERCON-l8 kann ihren Betrieb aufnehmen, initiiert von P. Lülf-Niehoff, errichtet zusammen mit W. Köhnlein, dem Grundstückseigentümer Heinrich Heiter und 4 weiteren in der Betreibergemeinschaft Gennerich GbR zusammengeschlossenen Havixbecker Familien. Die hervorra-gend laufende Anlage übertrifft schon bald die Erwartungen.

10. Dezember 1992
Erster öffentlicher Informationsabend über die seit ca. 2 Monaten laufende ENERCON-18.
Die Betreiber erläutern Funktionsweise und erste Betriebsergebnisse der Gennericher WKA sowie Wind-messdaten vom Longinusturm. Das Interesse der ca. 50 Bürgerinnen und Bürger aus dem Baumbergegebiet ist sehr rege. Inzwischen liegen erste Leistungsdaten einer technischen Innovation auf dem Windkraftanlagen-Sektor vor: der ersten getriebelosen WKA der Welt im ½ Megawatt-Bereich. Die ENERCON-36 läuft seit dem 24. März 1992 als Prototyp im Windpark Hamswehrum an der Nordseeküste. Aus der Kennlinie der von der Firma ENERCON inzwischen als E-40 geplanten getriebelosen Serienmaschine und den Baumberger Windmessdaten ergeben sich ausgesprochen ermutigende Hochrechnungen für die zu erwartende Leistung. Die Resonanz bei den Zuhörern ist entsprechend groß: Über 40 Bürgerinnen und Bürger erklären bis zur Jah-reswende schriftlich ihr Interesse, sich finanziell an dem vorgestellten Projekt “Errichtung einer Windkraftan-lage vom Typ ENERCON-40 auf den Baumbergen“ zu beteiligen. Die zwischenzeitlich erfolgten Kontakte mit dem Grundstückseigentümer Josef Schulze Bisping aus Nottuln verlaufen recht positiv

28. Dezember 1992
Die Anträge auf Förderung aus Mitteln des 250-Megawatt-Wind-Programms des Bundesministeriums für Forschung und Technologie sowie des NRW-REN-Programms werden gestellt. Bezüglich der Landesmittel gibt es sehr bald einen abschlägigen Bescheid, da das Land NRW ab dem 5. November 1992 bis auf weiteres keine Förderanträge entgegennimmt. Die Förderung des Baumberge-Projekts durch Bundesmittel bleibt vor-läufig offen und soll im November/Dezember 1993 entschieden werden. Auch für einen beantragten Zuschuss durch das europäische Thermie-Programm aus Brüssel besteht wenig Aussicht. Die Initiatoren lassen sich dadurch nicht entmutigen.

26. Februar 1993
Das Interesse am umweltfreundlichen WKA-Projekt Baumberge ist mittlerweile so gewachsen, dass die Initi-atoren zusammen mit 7 weiteren Bürgern aus dem Baumberge-Umfeld die “Windkraftanlagen Baumberge Verwaltungs- und Betriebs-GmbH gründen und beim Amtsgericht der Kreisstadt Coesfeld ins Handelsregis-ter eintragen lassen. Wenige Tage später gründen sie die “Windkraftanlagen Baumberge GmbH & Co. KG 1“.
Kurz darauf wird der Bauantrag vorbereitet. Ein Reihe von Gesprächen mit den Genehmigungsbehörden (Gemeinde Nottuln, Kreisbauamt, Gewerbeaufsichtsamt, Untere Landschaftsbehörde, Landesdenkmalamt, Telekom …), der VEW sowie der Herstellerfirma ENERCON tragen dazu bei, dass im Vorfeld viele Fragen geklärt und Probleme ausgeräumt werden können.
Für die Errichtung einer einzelnen Anlage ist das ursprünglich geplante Projekt bald überzeichnet, und so wird beschlossen, aufgrund des stetig steigenden Interesses gleich zwei Anlagen zu bauen.

26. März 1993
Die inzwischen auf ca. 70 Mitglieder angewachsene Kommandit-Gesellschaft versammelt sich zu einem In-formationsabend, auf dem zahlreiche technische, finanzielle, steuerrechtliche Fragen sowie Einzelheiten der geplanten Bauausführung erörtert werden.

24. Mai 1993
Die Typenprüfung der E-40 Windkraftanlage durch den Germanischen Lloyd ist inzwischen erfolgt, und der Bauantrag für die Errichtung zweier E-40 Anlagen, je einer mit 50-m-Turm und einer mit 42-m-Turm, wird beim Kreisbauamt in Coesfeld eingereicht.
Der bald darauf tagende Bauausschuss des Gemeinderats Nottuln sowie der Landschaftsbeirat der Unteren Landschaftsbehörde in Coesfeld begrüßen das Projekt und lassen die Initiatoren auf eine baldige Realisierung hoffen.

10. Juni 1993
Die Kommanditisten unternehmen per Bus eine Informationsfahrt zur Herstellerfirma ENERCON nach Au-rich. Nach einer Betriebsbesichtigung mit anschließender Filmvorführung und Diskussion über die neue, ge-triebelose E-40 WKA gibt es eine weitere Veranstaltung im Informationszentrum des Stromversorgers EWE (Energieversorgung Weser-Ems) in Hamswehrum. Dort können die Besucher die E-40 auf einem 40-m-Turm auch innerhalb eines Windparks in Betrieb erleben. Die erste Anlage dieses Typs im Binnenland auf 50-m-Turm bekommen sie dann auf dem Rückweg in Hilkenbrook bei Friesoythe zu Gesicht Ein interessantes Ge-spräch mit dem zufriedenen Betreiber beflügelt die eigenen Erwartungen bezüglich der Realisierung des Baumberge-Projekts.

19. August 1993
Die Baugenehmigung wird beim Kreisbauamt in Coesfeld abgeholt. Die bisher nur unter dem Vorbehalt der Erteilung der Genehmigung georderten beiden E-40 Maschinen werden jetzt fest bestellt. Über inzwischen eingegangene Angebote für Zuwegung und Erstellung der Fundamente kann nun in der GmbH entschieden werden. Dasselbe gilt für die Übergabestation, die Verkabelung und den Anschluss an das öffentliche Strom-netz der VEW.
Auch der langjährige Pachtvertrag mit dem Grundstückseigentümer Josef Schulze Bisping tritt nun in Kraft.

1. September 1993
Die Arbeiten für die Zuwegung sowie die Errichtung der Fundamente werden aufgenommen. Ende Septem-ber ist das erste Fundament fertig gestellt, wenige Tage später auch das zweite. Mindestens 28 Tage müssen sie jetzt aushärten. Nach zwei Wochen erhalten sie einen doppelten Bitumen-Schutzanstrich.

25. September 1993
Die bis dahin offene Kommanditistenliste wird geschlossen. 97 Mitglieder der “Windkraftanlagen Baumberge Verwaltungs- und Betriebs- Gesellschaft mbH & Co. KG 1“ können in das Handelsregister beim Amtsgericht Coesfeld eingetragen werden.

26. Oktober 1993
Die Übergabestation wird angeliefert und in eine tags zuvor vorbereitete kleine Baugrube eingesetzt. Die Verkabelungsarbeiten zwischen den Fundamenten der Windkraftanlagen und der Übergabestation werden in der zweiten Novemberwoche durchgeführt.


15. November 1993
Die Fundamente sowie die Kabelgräben werden mit dem Bodenaushub wieder angefüllt. Für die Trafo-Stationen neben den Windkraftanlagen wird eine Unterlage aus verdichtetem Sand und Schotter erstellt.

10. Dezember 1993
Die Fundamente sowie die Zuwegung, Verkabelung und die Übergabestation werden von der Firma ENERCON geprüft. Letzte Einzelheiten für die Aufstellung am Standort werden abgesprochen.

12.Januar 1994
Die VEW legt das Kabel zwischen der Übergabestation und dem öffentlichen Stromnetz. Die Vorberei-tungsarbeiten für den Aufbau der Windkraftanlagen sind damit abgeschlossen.
Bei den derzeitig ungünstigen Witterungsverhältnissen kann die Aufstellung der beiden Anlagen allerdings noch nicht erfolgen.

21. März 1994
Die Förderung des Baumberge-Projekts durch Bundesmittel aus dem 250-Megawatt-Windprogramm wird abschlägig beschieden, so dass die gesamte Finanzierung der beiden Windkraftanlagen durch private Mittel der 97 Kommanditisten erfolgen muss. Nach Auskunft des Bundesministeriums für Forschung und Technologie sind für die Förderung aus Bundesmitteln in NRW für die Jahre 1994, 1995 und 1996 nur jeweils lächerliche 3 Megawatt installierter Windenergieleistung vorgesehen.

23. März 1994
Die erste der beiden ENERCON-40 Windkraftanlagen mit ihrem 3teiligen 48-m-Schleuderspannbetonturm wird auf den Baumbergen angeliefert und mit Hilfe eines 400-t-Krans in den vorbereiteten Köcher des Fundaments eingebaut.
Zwei Tage später werden der Ringgenerator mit einem Durchmesser von fünf Metern sowie die zwanzig Meter langen Rotorblätter angeliefert und im Beisein von Presse, Rundfunk und Fernsehen vormontiert. Die für den Nachmittag des 26. März vorgesehene Montage auf dem 48-m-Turm muss wegen zu starken und böigen Windes um einige Tage verschoben werden.

30. März 1994
Bei heiterem Frühlingswetter und einer nur leichten Brise können die Monteure der Firma ENERCON aus Aurich in Zusammenarbeit mit der Kranfirma BULLER aus Greven zeigen, was Präzisionsarbeit in luftiger Höhe ist: Der Ringgenerator mit den vormontierten Rotorblättern wird auf den 48 m hohen Mast gesetzt, und die Endmontage der Windkraftanlage kann durchgeführt werden.

7. April 1994
Die zweite ENERCON-40 wird angeliefert und auf einem zweiteiligen, 42 m hohen Schleuderspannbe-ton-Mast errichtet.

8. April 1994
Der Probebetrieb der ersten neuen Anlage auf dem Höhenzug der Baumberge wird aufgenommen. Spezialisten der Herstellerfirma aus Aurich prüfen in der Testphase alle wichtigen Funktionen. Gegen 17.00 Uhr beginnt die Stromproduktion dieser WKA in das öffentliche Netz.

22. April 1994
Die zweite Windkraftanlage auf den Baumbergen nimmt ihren Probebetrieb auf und liefert anschließend ebenfalls Strom ins Netz der VEW.

30. April 1994
Die Erprobungsphase ist erfolgreich beendet. Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit können W. Köhnlein und P. Lülf-Niehoff im Beisein der meisten Kommanditisten und Vertretern und Repräsentan-ten des öffentlichen Lebens die beiden hochmodernen, getriebelosen ENERCON-40 Windkraftanlagen nun auch offiziell in Betrieb setzen.

Ein neues Kapitel schadstofffreier und damit äußerst umweltfreundlicher Energieerzeugung im Baumberge-Gebiet hat begonnen, und das ohne jede staatliche Unterstützung. Diese beiden Windkraftanlagen sind ausschließlich privat finanziert worden, ohne den Steuerzahler zu belasten.

30. April 1995
Inzwischen sind die beiden Windkraftanlagen 12 Monate in Betrieb und haben zusammen 1.725.000 kWh ins öffentliche Netz eingespeist. Es hat im zurückliegenden Jahr fast keine Ausfälle durch Betriebsstörun-gen gegeben.
Wir, die Initiatoren haben in den vergangenen Monaten sehr vielen Besuchergruppen die Windkraftanla-gen gezeigt und erklärt. Schulkassen, Betriebsgruppen, Landwirte, Wanderer, Lehrerkollegien, Politiker-gruppen, Mitglieder von Universitätsinstituten und Einzelpersonen zeigten sich für die Anlagen sehr interessiert. Seit Mitte November 1994 ist auch die Informationstafel mit den stets aktuellen Angaben der Maschinen- und Leistungsdaten installiert.
Unsere Pläne für ein weiteres Windfeld realisieren sich immer mehr. Auf der Hannover-Messe wurden Anfang April 1995 von mehreren Herstellern Windkraftanlagen mit Generatorleistungen zwischen 750 kW und 1500 kW vorgestellt. Man kann damit die bis zur 3fachen Leistung unserer bisherigen E-40 Anlagen erbringen. Etwa 150 Bürgerinnen und Bürger sind inzwischen bereit; sich an einem weiteren Windfeld auf den Baumbergen finanziell zu engagieren.

Durch die Bezirksregierung in Münster und den Bezirksplanungsrat wird diese Bereitschaft vieler ortsansässiger Bürger für den Höhenzug der Baumberge auf Jahre hin verhindert.